Im Rahmen der Internationalen Sommerakademie an der Universität Mozarteum in Salzburg herrscht auch reger Konzertbetrieb. Von den künstlerischen Leistungen der Dozent:innen kann man sich in deren Konzerten überzeugen. Den Anfang macht die deutsche (aus Indien stammende) Pianistin Sheila Arnold mit einer Mozart-Klaviersonate. Der junge spanische Pianist Leo De Maria spielt anschließend Werke von Enrique Granados und des kubanischen "Gershwin" Ernesto Lecuona voll mitreißender Rhythmik und tiefer Emotionalität. Dann folgt das Duo des Japaners Yu Nitahara am Klavier mit dem italienischen Cellisten Giovanni Gnocchi, das die C-Dur Sonate von Benjamin Britten (aus 1961) zur Aufführung bringt, die für mich bisweilen wie ein intimes Jazz-Duett klingt. Ein weiteres Duo mit Kirill Troussov (am Foto) an der Violine und Peter Wittenberg am Klavier spielt Beethoven und Tschaikowski. Welche Klänge der in München lebende Stargeiger mit russischen Wurzeln seiner Stradivari entlockt, ist höchst beeindruckend. Zuletzt gibt es auch noch einen österreichischen Beitrag in Gestalt des steirischen Klarinettisten Andreas Schablas im Duo mit der russischen Pianistin Elena Ten. Die Beiden führen ein Medley von Melodien aus der Oper "Carmen" von Bizet auf, das der spanische Geiger Pablo de Sarasate 1881 eigentlich für Violine komponiert hat. Diese Carmen-Fantasie klingt für mich dann tatsächlich über weite Strecken wie eine Improvisation auf der Klarinette, wie ich sie auch aus der Jazz-Welt kenne. Für mich, als einer der nicht mit klassischer Musik aufgewachsen ist, sind solche Aufführugen eine höchst angenehme Erweiterung meiner musikalischen Erfahrungen, die ich mit großer Freude und Erstaunen in mich aufnehme. Gerne bereichere ich auch mich an dieser Fülle an musikalischem Reichtum.
Mittwoch, 5. August 2026
Montag, 3. August 2026
Bernhard Osanna Quintett im Musikpavillon Linz
Sonntagabend ist im Sommer Jazztime im schönen Ambiente des Musikpavillons Linz an der Donaupromenade. Ein paar Konzerte darf dabei "Jazz point Linz" kuratieren. Diesen Sommerabend bestreitet das Bernhard Osanna Quintett, bestehend aus Bernhard Osanna (E-Bass, Kontrabass), Markus Gaudriot (E-Piano), Christian Stolz (Schlagzeug), Josef Fuchsberger (Trompete, Flügelhorn) und Ilse Riedler (Saxophone). Die Kompositionen liefert allesamt der Bandleader, und die sind stilistisch recht bunt gemischt. Bebop und Hard Bop Beeinflusstes gibt es zu hören, lateinamerikanische Rhythmen und Jazz-Walzer und reichlich Funky Jazz und auch eine Jazz-Ballade. Unbestritten ist die professionelle Qualität der Musizierenden in Verbindung mit ungetrübter Spielfreude. Abwechselnd bieten sich, wie im traditionellen Jazz üblich, Gelegenheiten für solistische Einlagen der Beteiligten mit großartigen Einzelleistungen, wobei mich der Trompeter dabei am meisten angesprochen hat. Das musikalische Ergebnis der Band ist wie aus einem Guss und macht es mir möglich, mich darin zeitweise völlig zu versenken. Das Quintett erfindet Jazz nicht neu, liefert allerdings im Rahmen des allseits Bekannten eine beeindruckende Performance, die mit viel Applaus goutiert wird.
Sonntag, 2. August 2026
Fennesz in der evangelischen Kirche Attersee am Attersee
Im Rahmen des Kunstfestivals "Perspektiven Attersee" gibt es auch heuer wieder Musikevents. Eines davon ist eine Performance von Christian Fennesz, die in der kleinen evangelischen Kirche im Ortszentrum von Attersee am Attersee stattfindet. In dem nur 155 Quadratmeter großen Kirchenraum lässt Fennesz seine kunstvollen elektronischen Geräuschgebilde (mit Gitarrenunterstützung) mit teils ohrenbetäubender Lautstärke los, was dazu führt, dass viele der Zuhörenden den Kirchenraum früher oder später fluchtartig verlassen. Die Veranstalter:innen sind zwar bemüht, die Lautstärke auf ein für alle erträgliches Maß zu drosseln, allerdings spricht sich der Künstler vehement dagegen aus. Ich halte relativ lange durch (eine gute halbe Stunde), dann habe auch ich genug. Dabei ist das, was Fennesz an Klängen produziert, durchaus hörenswert und künstlerisch anspruchsvoll. Von Melodik ist nicht viel vorhanden, auch um Rhythmik geht es kaum, dafür um Geräusche und Klänge jeglicher Art, im Bassbereich, in den mittleren Lagen und auch im Hochtonbereich angesiedelt. Vielfach erinnern mich die Sounds an Alltagsgeräusche, darunter durchaus auch Glockengeläute, das ja zum Aufführungsort passt, allerdings auch an den Lärm im Walzwerk der VOEST, den man sich am besten nur mit gutem Gehörschutz aussetzt. Sinustöne mit unterschiedlichen Frequenzen und weißes Rauschen treten stellenweise markant hervor. Geräuschkunst elektronischer Natur ist mir durchaus nicht fremd und ich konnte sie auch schon in so mancher Live-Aufführung genießen. Das wäre auch in der kleinen Kirche in Attersee möglich gewesen, hätte nicht der Künstler, den Dezibel-Wert an die oberste Stelle seiner Prioritätenliste gesetzt. Weniger ist oft mehr. In diesem Fall wäre der Mehrwert sogar ziemlich hoch ausgefallen.
Freitag, 31. Juli 2026
Kollegium Kalksburg im Stadtpark Atzgersdorf, Wien
"Seit mehr als 30 Jahren um und auf" (so der Titel des Konzertabends) ist nun schon das Trio, das sich dem "Neuen Wienerlied" widmet. Fast ebenso lang bin ich ein begeisterter Fan der drei Musiker: Heinz Ditsch (Akkordeon und singende Säge), Paul Skrepek (Kontragitarre) und Wolfgang Vincenz Wizlsperger (Gesang, Kamm, Euphonium). Vincenz Wizlsperger begibt sich dabei in die Rolle morbider Verlierer, von Widrigkeiten geprägter Randfiguren der Gesellschaft, die ihren Liebes- und sonstigen Kummer im Alkohol zu ertränken versuchen. Musikalisch lehnt sich die Band an das traditionelle Wienerlied an oder verwendet bekannte Melodien aus dem Fundus der Popularmusik, wie z. B. von Songs der Beatles. Die Lieder von "Kollegium Kalksburg" sind kleine Dramen voller Anklage aber auch Pamphlete des Widerstands gegen ein missliebige Weltsicht. Meist ergeben sich allerdings die dargestellten Typen ihrem Schicksal, schauen zurück auf zerbrochene Liebesbeziehungen, saufen sich zu Tode oder versuchen ihrem Leben anderweitig ein Ende zu bereiten. Sie ergeben sich ihrem unausweichlichen Schicksal, das auch Thema des berühmten Wienerlieds "Wenn der Herrgott net will" ist, zu dem die Kalksburger einen englischen Text geschrieben haben. Die Texte sind sonst im Wiener Dialekt verfasst, einer Sprache, die heute eher vom Aussterben bedroht ist, als dass sie noch weite Verbreitung finden würde. Für mich sind die Lieder des Kollegium Kalksburg voller Poesie und üben in Verbindung mit den meist melancholischen Melodien eine starke Faszination auf mich aus. Obwohl ich das Trio nun schon so oft live erleben durfte, wird ihr Auftritt beim Kultursommer Wien im Stadtpark Atzgersdorf für mich sicher nicht der letzte gewesen sein.
Leléka im Stadtpark Atzgersdorf, Wien
Seit dem Corona-Jahr 2020 gibt es in Wien die sechswöchige Gratis-Veranstaltungsreihe "Kultursommer Wien" mit zahlreichen Freiluftkonzerten in verschiedenen Wiener Parkanlagen. Mich zieht es heuer in den Stadtpark Atzgersdorf im Bezirk Liesing, um dort wieder einmal "Kollegium Kalksburg" zu hören. Doch vorher gibt es noch ein anderes Konzert, und zwar das von der mir bislang unbekannten Band Leléka. Gar so unbekannt dürfte das Quartett um die in Berlin lebende Sängerin Viktoria Leléka allerdings auch wieder nicht sein, hat doch die Künstlerin den Beitrag der Ukraine beim diesjährigen Eurovision Song Contest bestritten. Die Besetzung gleicht der eines klassischen Jazz-Quartetts mit E-Piano, Kontrabass, Schlagzeug und einer Sängerin. Was es bietet, ist auch eine Art von Jazz, die man als Folk-Jazz bezeichnen kann, sind es doch hauptsächlich ukrainische Volkslieder, die die Sängerin vorträgt mit der Freiheit, die den Jazz auszeichnet, und mit dem Freiraum für Improvisation der Bandmitglieder, der vor allem von der Berliner Jazz-Pianistin Anna Wohlfahrth auch reichlich genutzt wird. Was die Frontfrau auszeichnet, ist erstens eine wunderbare Stimme, deren Umfang und Intensität beachtlich ist, und zweitens eine Bühnenpräsenz und Körpersprache, die mich in Erstaunen versetzt. Mit spielerischer Leichtigkeit stellt sie umgehend den Draht zum Publikum her und gewinnt es mit berührenden Ansagen die Herzen der Anwesenden. Auch wenn ich kein Wort Ukrainisch verstehe, üben die Lieder eine fast magische Wirkung auf mich als Zuhörer aus, allein durch die Stimmung, die die Sängerin imstande ist, damit zu vermitteln. Auch den Song-Contest-Beitrag trägt Leléka vor. Dass er "nur" auf Platz neun gelandet ist, liegt wohl an seiner künstlerischen Komplexität, die die Chancen beim Wettsingen nicht gerade vergrößert. An diesem heißen Sommerabend im Stadtpark Atzgersdorf hat er sich harmonisch ins Gesamtprogramm eingefügt.
Donnerstag, 30. Juli 2026
Secret Life - Songs of Leonard Cohen im Schl8hof Wels
Bald werden es zehn Jahre, dass der große Poet und Musiker Leonard Cohen das Zeitliche gesegnet hat und er seine Musik nicht mehr selbst darbieten kann. Dafür können das andere, wie z. B. das Oktett um den obösterreichischen Sänger und Gitarristen Martin Primetshofer, das sich schon seit ein paar Jahren dem Liedschatz Cohen's widmet und eine Auswahl seiner LIeder wiederbelebt und dem Publikum zu Gehör bringt. Karin Brandmayer und Christina Sturmeir sind dabei die wichtigen Frauenstimmen, Edi Grinninger und Geri Ritt steuern die subtilen Gitarrensounds bei, Werner Enzlmüller spielt den Bass, Nik Haider das Keyboard und Andi Primetshofer das Schlagzeug. Die Arrangements orientieren sich recht schnörkellos nahe am Original, der Gesang spielt dabei die wichtigste Rolle, sind es doch vor allem die Texte voller Poesie, die neben den eingängigen Melodien den Reiz dieser Songs ausmachen. Die Songauswahl ist eine Mischung aus allseits Bekanntem und weniger populären Werken wie einerseits "Suzanne", "So Long, Marianne" und "Dance Me to the End of Love" oder andererseits "If It Be Your Will", "On the Level" und "You Have Loved Enough". Martin Primetshofer's Stimme klingt dabei oft wirklich wie die von Leonard Cohen, die Frauenstimmen haben auch hier die überaus wichtige Funktion, die sie bei den Live-Konzerten des Künstlern aus Kanada hatten. Cohen-Songs auch nach dem Tod Cohen's live erleben zu können, schätze ich sehr, sodass ich immer wieder die sich mir bietenden Gelegenheiten dazu nutze. Kein Wunder also, dass ich nun schon zum dritten Mal Zuhörer bei diesem Songs-of-Leonard-Cohen-Programm bin. Der große Publikumsandrang im Freigelände des Schl8hof Wels zeigt, dass es dabei anscheinend nicht nur mir so geht.
Montag, 27. Juli 2026
Mulo Francel Quartett im Living Room Salzburg
Der bayrische Saxophonist Mulo Francel ist mir als Bandleader von "Quadro Nuevo" 2013 im Barocktheater des Stiftes Lambach zum ersten Mal begegnet. Meine Begeisterung war groß, sodass ich in der Zwischenzeit mehrere Gelegenheiten ergriffen habe, eines seiner Projekte zu bestaunen. Im Living Room Salzburg bietet sich nun wieder die Möglichkeit, ihn zusammen mit Chris Gall am E-Piano, D.D. Lowka am Kontrabass und Lokalmatador Robert Kainar am Schlagzeug zu hören. Tief in der Jazztradition verwurzelt hat sich Mulo Francel der Weltmusik geöffnet und verarbeitet in seinen Eigenkompositionen deren Einflüsse (Mulo's Mambo, Mocca Swing, Die Reise nach Batumi). Auch Chris Gall steuert einige Kompositionen bei. Besonders interessant dabei ist seine Bearbeitung von Debussy's "Claire de Lune". Mulo Francel bietet im Laufe des Abends ein breites Klangspektrum, das vom Tenorsaxophon über das Sopransaxophon, das antiquierte C-Melody-Saxophon und die B-Klarinette bis zur Bassklarinette reicht. Seine Improvisationen vermitteln für mich eine virtuose Leichtigkeit. Natürlich gibt es auch viel Freiraum für die spontanen Ideen der anderen Bandmitglieder, wobei die Soli des Pianisten besonders hervorstechen. Das Weltmusik-Konzept von Quadro Nuevo findet auch in diesem Quartett seinen stimmigen Ausdruck. Große musikalische Offenheit, verbunden mit großer Spielfreude zieht das Publikum in ihren Bann. Der Abend lässt keine musikalischen Wünsche offen, außer vielleicht den Wunsch nach einer zweiten Zugabe.
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