Als langjähriger Profil-Abonnent haben mich die Zeichnungen des Linzer Karikaturisten Gerhard Haderer immer wieder sehr belustigt. Ebenso begeistert hat mich von Anfang an das Musiker-Duo "Attwenger" mit dem Sänger und Harmonika-Spieler Hans Peter Falkner. Nun bietet sich die Gelegenheit, beiden Künstlern gemeinsam auf der Bühne im Kino Ebensee zu begegnen. Jeder bedient abwechselnd sein eigenes Genre: Gerhard Haderer zeigt und kommentiert eine Auswahl seiner Werke (Cartoons für Zeitschriften und für seine eigenen MOFF.-"Schundhefte") und Hans Peter Falkner singt und spielt Lieder aus dem "Attwenger"-Repertoire. Beides ist gleichermaßen unterhaltsam, wobei mich natürlich die Musik noch mehr anspricht als die Bilder und Bildgeschichten, vor allem wenn es sich um Stücke aus dem ersten "Attwenger"-Album "most" handelt, mit dem ich schöne Erinnerungen verbinde. Auch ein neues, noch unveröffentliches Lied trägt Hans Peter Falkner vor, in dem es in über 70 Strophen (und 12 Minuten Aufführungsdauer) um unzählige Gegensatzpaare geht zwischen dem, was man eigentlich will, und dem, was man tatsächlich bekommt. Der Interpret mutet sich und dem Publikum allerdings nur etwa die Hälfte davon zu. (Ich hätte gern alles gehört.) Der Rest lässt sich allerdings dann in seinem angekündigten neuen Buch nachlesen. Auch nur die eine Hälfte von "Attwenger" schätze ich sehr, die kompletten "Attwenger" natürlich ebenso.
Sonntag, 19. April 2026
Samstag, 18. April 2026
Christian Marien Quartett im Jazzit Salzburg
Der deutsche Schlagzeuger Christian Marien, den ich früher schon mit der Insomnia Brass Band im Schl8hof Wels gehört habe, ist nun mit seinem eigenen Quartett im Jazzit Salzburg zu Gast. Tobias Delius spielt Tenorsax und Klarinette, Antonio Borghini den Kontrabass und Jasper Stadhouders die Gitarre. Schon mit den ersten Tönen wird recht klar, wohin die (musikalische) Reise geht. Kompositionen mit recht offenen Strukturen werden geboten, die viel freien Raum für kollektive als auch solistische Improvisation bieten und sich durch höchste Intensität auszeichnen. Der Gitarrist macht von seiner Freiheit regen Gebrauch und erinnert mich an Fred Frith, wenn er seine Gitarre mit Metallstäben und einem Esslöffel traktiert, um ihr schrille Sounds zu entlocken. Das macht auch Tobias Delius auf seine Art und Weise am Saxophon wie auch auf der Klarinette. Er reizt die Möglichkeiten dieser Instrumente aus, indem er z. B. der Klarinette die höchstmöglichen Töne durch mehrfaches Überblasen entlockt. Bisweilen erinnert er mich auch an den verstorbenen Peter Brötzmann mit seinem Saxophongebrüll und sogar an den legendären Albert Ayler, wenn er bisweilen ins Hymnische verfällt. Für die rhythmischen Finessen sorgen naturgemäß Bass und Schlagzeug. Das Quartett verbindet die einzelnen Stücke oft mittels fließender Übergänge, was dies Spannung über einen längeren Zeitraum aufrecht erhält. Höchste Virtuosität, eine extreme Klangdichte und großer Einfallsreichtum zeichnen diese Band aus. Sie bietet ein musikalisches Erlebnis, das man nicht allzu oft erfährt.
Freitag, 17. April 2026
Voodoo Jürgens im Posthof Linz
Der österreichische Liedermacher Voodoo Jürgens ist für mich kein Unbekannter. Ich habe ihn bereits solo als auch mit seiner "Ansa Panier" live zu hören bekommen. Dennoch bin ich neugierig, was David Öllerer (sein bürgerlicher Name) zurzeit zu bieten hat, und das ist, um es gleich vorweg zu nehmen, noch mehr Qualität als je zuvor. Sein Hit aus dem Jahr 2016 "Heite grob ma Tote aus" erklingt daher auch gleich am Anfang, der Raum für seine neuen Songs des Albums "Gschnas" steht offen. Rhythmisch recht variabel werden Lieder im Wiener Dialekt präsentiert, die sich meist mit den Schattenseiten menschlicher Existenz beschäftigen und damit, wie das Leben so spielt. "De An und de Aundan", "Da Dings", "Da Zweifl" und "Ka Ruah" sind für mich die Highlights des neuen Programms. Die "Ansa Panier" trägt ihren Namen zurecht, Sie kann richtig Druck machen, gewaltig rocken und besticht auch emotional, wobei mich Alexander Kranabetter an das Trompetenspiel von Sven Regener bei Element Of Crime erinnert. Je nach Stimmung wechselt Martin Scheer zwischen E-Bass und Kontrabass, Matthias Frey zwischen Violine und E-Gitarre. Schlagzeuger David Schweighart sorgt für den klaren und kraftvollen Beat, Bernd Lichtscheidl für den Keyboard-Sound. Bob Dylan klingt für mich durch und nicht zuletzt erinnert mich der aktuelle Voodoo Jürgens sogar etwas an den verstorbenen Ludwig Hirsch. Mehr als je zuvor hat mich Voodoo Jürgens mit der Ansa Panier im fast ausverkauften Posthof Linz dieses Mal beindruckt.
Donnerstag, 16. April 2026
Carminho im Wiener Konzerthaus
Seit ich Fado zum ersten Mal in den frühen 1990ern auf einem Vinyl-Album kennengelernt habe, lässt mich die Faszination dieser Musik nicht mehr los. Nach mehreren, in Österreich eher seltenen Fado-Konzerten, komme ich nun in den Genuss von Carminho, einer bekannten Fadista aus Lissabon. Sie hat eine fünfköpfige Begleitband in den großen Saal des Wiener Konzerthauses mitgebracht, die den wunderbaren Rahmen für ihren Gesang bietet. Neben den vier Gitarren sorgt noch ein Keyboarder mittels mehrerer exotischer Tasteninstrumente (Mellotron, Ondes Martenot und Cristal Baschet) für ein breites, sanft-fülliges, melodisches Klangspektrum. Carminho macht mit ihrem Gesang das, was für den Fado charakteristisch ist: diese hochemotionale Steigerung des Ausdrucks, dieses "Schmachten", wie ich es gerne nenne, das gleichsam in einer wohltuenden Erschöpfung endet. Carminho geht allerdings mit ihrem Repertoire deutlich über das Grenzen des traditionellen Fado hinaus und präsentiert sich auch als talentierte Singer-Songwriterin mit popigen Anklängen. Sie fühlt sich sichtlich wohl im großen Ambiente des Konzerthauses und bringt dies in ihren ausschweifenden Zwischenansagen immer wieder zum Ausdruck. Zuletzt will sie noch die hochgelobte Akustik des Saals auf die Probe stellen, indem sie jeglicher Elektronik den Strom abdreht und ihre Stimme und die Instrumente rein akustisch ertönen. Das Publikum macht keinen Mucks und das Experiment gelingt. Ein Abend voller positiver Emotionen geht mit großem Applaus und mehreren Zugaben zu Ende.
Dienstag, 14. April 2026
Tortoise im Jazzit Salzburg
Bereits in den 1990er Jahren haben Tortoise aus Chicago Berühmtheit erlangt, weil sie als Begründer des Post-Rock gelten. Allerdings habe ich erst jetzt die Gelegenheit, diese fünf Männer live zu erleben (Dan Bitney, John Herndon, Doug McCombs, John McEntire und Jim Elkington). Außer den zwei Drumsets funktionieren in dieser Band alle Instrumente elektronisch, seien es die E-Gitarren oder mehrere Synthesizer-Keyboards und sogar ein Percussion-Pad. So ausgerüstet lassen sich alle möglichen Sounds erzeugen, wobei Bässe (womit auch immer produziert) die dominierende Grundlage bilden. Bässe übernehmen hier meist die Lead-Funktion, d. h., sie führen ein starkes Eigenleben. Über der Grundlage von Bass und Schlagzeug erklingen einfache Tonfolgen mittels E-Gitarre und Keyboards. Die Musik kommt schwerlastig daher, fühlt sich oft bleiern an, lebt von vielen Wiederholungen mit nur kleinen Veränderungen und erinnert mich daher auch phasenweise an Minimal Music eines Philip Glass. Ein paar rhythmischere Nummern gibt es dann doch auch, die mich etwa zum Mitwippen bringen und leichte Anklänge an Tex-Mex-Musik aufweisen. Interessant ist auch der oftmalige Positionswechsel der Musiker, eine Art Instrumentenkarussell, bei dem der Keyboarder zum Schlagzeuger wird oder umgekehrt. Immer wieder entstehen Phasen erhöhter Intensität, es bauen sich Spannungen auf, die sich wieder entspannen. Was dominiert, ist allerdings diese gemächliche Schwere, die sich tatsächlich mit dem Gang einer 300-Kilo-Landschildkröte vergleichen lässt, gut geerdet auf jeden Fall. Tortoise ist schon der richtige Bandname.
Sonntag, 12. April 2026
Amalie Dahl's Dafnie im Kulturpool Gusental
Am Beckenboden des zum Konzertsaal umgestalteten Hallenbads in Gallneukirchen (Kulturpool Gusental) gibt es immer wieder Erstaunliches zu hören. Die gebürtige Dänin und nun in Oslo aktive Saxophonistin und Komponistin Amalie Dahl ist mit ihrem Quintett Amalie Dahl's Dafnie zu Gast. Dabei sind am Schlagzeug Veslemøy Narvesen, am Kontrabass Nicolas Leitrø, an der Posaune Jørgen Bjelkerud und an der Trompete Oscar Andreas Haug. Treibende Kraft der Band ist die Rhythmusgruppe mit Bass und Schlagzeug, die sowohl in der Lage ist, extreme Tempi zu verfolgen, als auch mit ostinatem Spiel die solierenden Bläser:innen zu begleiten. Besonders der Bassist hat mich mit seinem präzis-markanten Tönen beeindruckt. Die Kompositionen sind sehr abwechslungsreich. Schnelle, an Bebop erinnernde Nummern wechseln ab mit eher elegisch klingenden, auf wenige Tonfolgen basierenden Stücken. Im Laufe der Kompositionen treten dabei immer wieder Trios mit Rhythmusgruppe und Bläsern hervor. Markant ist auch das Experimentieren mit der Tonerzeugung auf den Blasinstrumenten, das alle verfügbaren Möglichkeiten der Instrumente auslotet. Breiter Raum für Improvisationen der Beteiligten steht dabei offen. Die Gruppe erreicht damit einen recht eigenständigen Stil, der von rhythmischer Beschwingtheit bis zur bloßen Erzeugung von Geräuschen alles bieten kann. Amalie Dahl's Dafnie sorgt somit vom Anfang bis zum Ende des Konzerts für Spannung und konzentrierte Aufmerksamkeit beim begeisterten Publikum. Eine derart junge Band mit diesen Möglichkeiten und dieser Reife im musikalischen Ausdruck hat Seltenheitswert. Da macht das Zuhören wirklich große Freude.
Samstag, 11. April 2026
Domo Emigrantes im Schloss Traun
"Domo Emigrantes" nennt sich ein Quartett von Musikern aus dem Raum Mailand, das zu Gast im Schloss Traun ist. "Die von zu Hause Ausgewanderten" sind Norditaliener mit süditalienischen und sizilianischen Wurzeln, die sich der Tradition mediterraner Volksmusik verschrieben haben. Sie geben sowohl Eigenes als auch viel an Traditionellem Liedgut zum Besten. Stefano Torre ist der Leadsänger und Gitarrist der Gruppe, der bisweilen auch auf die Bouzouki wechselt, wenn es um griechischen Einfluss geht. Eine seiner Spezialitäten ist auch die sizilianische Flöte. Filippo Renna ist der Percussionist der Band, Andrea Dall'Olio spielt Violine und Vittorio Tauro das Akkordeon. Volksmusik aus Süditalien hört man nicht so oft bei uns in Österreich und schon gar nicht mit einer derart authentischen Note wie von diesen Musikern. Wunderbare Rhythmen und Melodien voller Emotionalität berühren die Herzen des Publikums, das der Aufforderung mitzuklatschen nur allzu gerne nachkommt. Die Grenzen der Volksmusik werden erweitert, indem das im Jazz übliche Improvisieren insbesondere von Geige und Akkordeon ein zusätzliches Stilmittel bildet. Zuletzt mischen sich die Musizierenden unters Publikum und die Darbietung endet in einem sizilianischen Volksfest, bei dem es keinen mehr auf seinem Sitz hält.
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